Aktuell
24 | 07 | 2010
Michael Sittler: „Katastrophale Informationspolitik der VWS“
SPD-Antrag zur Einberufung des Verkehrsausschusses
- Kreis Siegen-Wittgenstein. Die berechtigten Proteste vieler ÖPNV-Kunden gegen den vor wenigen Tagen in Kraft getretenen umfangreichen Fahrplanwechsel im Bereich des sogenannten „Linienbündels Mitte“ haben die SPD-Fraktion im Kreistag Siegen-Wittgenstein auf den Plan gerufen. Die Sozialdemokraten haben inzwischen eine möglichst zeitnahe Einberufung des Kreisverkehrsausschusses beantragt. Spätestens unmittelbar nach dem Ende der Sommerferien soll das Gremium zusammentreten und gemeinsam mit Vertretern der Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd (VWS), des Zweckverbands Personennahverkehr (ZWS) und der betroffenen Kommunen (Siegen, Freudenberg, Kreuztal, Netphen und Hilchenbach) über die aktuelle Situation beraten.
„Die fünf - von den zahlreichen Veränderungen tangierten - Städte müssen in dieser Sitzung Gelegenheit erhalten, die durch den Fahrplanwechsel entstandenen Unzulänglichkeiten und Defizite in ihren Bereichen detailliert aufzuzeigen. Darüber hinaus erwarten wir, dass in einer gemeinsamen Diskussion mögliche Ansätze für eine umfassende Verbesserung der Situation gefunden und vereinbart werden“, betonte SPD-Fraktionsvorsitzender Michael Sittler und fügte hinzu. „Daneben wird es auch gelten, die aus unserer Sicht katastrophale Informationspolitik der VWS zu beleuchten.“ Der chaotische Verlauf in den letzten Tagen und Wochen erfordere eine gründliche politische Aufarbeitung; dafür reiche das inzwischen für den 18. August angekündigte interne Gespräch zwischen der VWS und dem ZWS-Geschäftsführer Günter Padt keinesfalls aus, so Michael Sittler.
Auf der VGWS-Homepage wird die erfolgte Neubündelung verschiedener Linien mit einer nachhaltigen Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die im ÖPNV tätigen Busunternehmen begründet. Ziel der Veränderungen sei es, den Buslinienverkehr im Kreis Siegen-Wittgenstein durch mehr Wirtschaftlichkeit „zu stabilisieren und nachhaltig zu verbessern“, heißt es auf der Internetseite weiter. Dazu erklärte der Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion: „Vor dem Hintergrund der zum Teil erheblichen Unmutsäußerungen betroffener Fahrgäste ist es geradezu grotesk, wenn die Verantwortlichen hier von einer nachhaltigen Verbesserung des regionalen Buslinienverkehrs sprechen. Uns erscheint es vielmehr so, dass die Bemühungen um einen attraktiveren ÖPNV in unserem Raum durch den erfolgten Fahrplanwechsel einen erheblichen Rückschlag erlitten haben.“
Ein wenig Mut mache, dass sich die VWS inzwischen um erste Korrekturen bemühe und wohl auch weitere nicht ausschließe. „Wirtschaftlichkeit darf nicht der alleinige Maßstab für ÖPNV-Angebote sein. Die öffentliche Daseinsfürsorge gebietet es grundsätzlich, auch auf Linien, die weniger rentabel sind, auskömmliche und attraktive Angebote aufrechtzuerhalten“, unterstrich Michael Sittler. Die jüngste Entwicklung mache noch einmal deutlich, dass die von Landrat Paul Breuer (CDU) maßgeblich betriebene Veräußerung der VWS vor einigen Jahren „ein großer Fehler“ gewesen sei. „Damit haben die Kreise SI und OE wichtige Steuerungsmöglichkeiten hinsichtlich der Ausgestaltung unseres regionalen ÖPNV aus der Hand gegeben“, kritisierte der Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion Siegen-Wittgenstein.
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