Azubiticket bietet Chancen für die Region

Im Bild v.l.: Michael Sittler, Gregor Kölsch, Elfrun Bernshausen, Jürgen Haßler, Waltraud Schäfer, Michael Plügge, Thomas Hartmann, Bernd Dehmel

Eine Delegation der SPD-Kreistagsfraktion traf sich zu einem Gespräch über die Situation des heimischen Handwerks und das Azubiticket mit dem Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Westfalen-Süd, Jürgen Haßler, und Gregor Kölsch, Lehrlingswart der Innung für Informationstechnik Westfalen-Süd. Gregor Kölsch berichtete zunächst sehr engagiert von den vielfältigen Berufsmöglichkeiten im Bereich der Informationstechnik. Dort gebe es seit seiner Lehre in den 70er Jahren eine rasante Entwicklung, die ständige Weiterbildung erfordere und immer neue Berufsfelder hervorbringe. Das gastgebende Unternehmen, die Firma Hees Bürowelt, bildet zzt. 40 Azubis aus, davon 14 am Standort in Siegen. Beeindruckt zeigten sich die Kreistagsmitglieder auch von den vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten, die während und nach der Ausbildung angeboten werden, sei es die Kombination von Informationstechnik mit einer kaufmännischen Ausbildung oder eines dualen Studiums, das Praxis und Theorie bestens verbindet.
KH-Geschäftsführer Jürgen Haßler berichtete, dass die Kreishandwerkerschaft mit ihren 21 Innungen 2000 Lehrverhältnisse betreue. Bei der Suche nach Auszubildenden befinde man sich im Wettbewerb mit der Industrie. Hier werde man noch gezielter für die Ausbildung im Handwerk werben, oft seien die Berufsfelder im Handwerk den Jugendlichen und auch den Lehrern nicht ausreichend bekannt. Auch achte man verstärkt darauf Arbeit und Familie noch besser miteinander zu vereinbaren.
Die Einführung eines Azubitickets würde das Handwerk grundsätzlich begrüßen, so Haßler weiter. Nicht jeder Lehrling verfüge über ein Auto, auch sei es an den Berufskollegs mitunter unmöglich einen Parkplatz zu bekommen. Eine Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf den ÖPNV wäre dort wünschenswert. Auch Auszubildende, die weitere Anfahrten haben könnten PKW und ÖPNV miteinander kombinieren, etwa durch Park und Ride-Angebote, so Gregor Kölsch. SPD-Fraktionsvorsitzender Michael Sittler hob den Wert des Azubitickets für den Freizeitbereich hervor, denn auch dort könne und solle es genutzt werden. Sittler erläuterte noch einmal die derzeitigen Verhandlungen, die mit verschiedensten Akteuren geführt werden. Wichtig sei es zukünftig zu einer verpflichtenden Abnahme des Tickets durch die Azubis zu kommen, analog zum Studiticket für Studenten. Dies könne er sich durch eine Vereinbarung mit den Kammern vorstellen. Die öffentliche Hand sehe er hier in der Vermittlerrolle und als Initiator des Modells, langfristig finanzieren könne man das als Kreis leider nicht. Bei zzt. anvisierten Kosten von 25€ pro Monat profitiere ein Friseurlehrling, der aus Wittgenstein nach Siegen zum Berufskolleg fahren müsse und dafür aktuell noch Kosten von 129€ im Monat für das Ticket zu schultern habe genauso wie ein Lehrling aus Siegen, dessen Ersparnis zwar geringer sei, der dafür aber auch ein größeres ÖPNV-Angebot nutzen könne. Zur Abnahme verpflichten könne der Kreis die Azubis nicht, hier hoffe er auf eine Kooperation mit den Ausbildungsbetrieben, so Sittler. Auch eine Mitfinanzierung des Tickets durch die Arbeitgeber sei denkbar, dies sei eine Investition in die Zukunft der Region.
Jürgen Haßler versprach abschließend das Interesse am Azubiticket bei den Mitgliedsbetrieben zu sondieren. Thomas Hartmann, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, erinnerte daran, dass die Region hier eine Vorreiterstellung einnehmen und für sich ein weiteres Alleinstellungsmerkmal schaffen könne, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen.