SPD-Kreistagsfraktion besucht den Karateverein Bushido-Siegen

SPD-Kreistagsmitglieder Thomas Hartmann und Marco Schmidt mit Mitgliedern des Karatevereins Bild: Thomas Hartmann
SPD-Kreistagsmitglied Thomas Hartmann und Ottmar Haardt, Vorsitzender des Kreissportbundes, mit Mitgliedern des Karatevereins

Es herrscht absolute Stille im Trainingsraum, die Übungsgruppe sitzt im Knie Sitz in einer langen Reihe an der Wand des DOJO – in einigen Metern Entfernung kniet der Übungsleiter, japanisch: Sensei, und begrüßt die Gruppe, diese verbeugen sich ebenfalls und grüßen ihren Meister: Sensei ni Rei. Bereits zu Beginn der Übungseinheit ist klar – Karate lebt von einer jahrhundertelangen Tradition. Disziplin, Konzentration und starke Gruppenrituale sind keine Floskeln – sie sind wesentlicher Bestandteil der mentalen Vorbereitung auf die folgenden Bewegungsabläufe. Karate ist ein Kampfsport, im Shotokan-Karate ist die Technik aber nur dann perfekt, wenn man den Gegner gerade nicht trifft! Man stoppt den Schlag oder Tritt millimetergenau vor dem Körper des Trainingspartners. Die zerstörerische Wucht ist aber vorhanden, das zeigen die Technikübungen an den besonderen Geräten im Dojo.
Vielleicht erklärt das die große Faszination an dieser Kampfsportart: Man könnte, wenn man wollte – muss aber eigentlich auch nicht aggressiv reagieren – der geschulte Kämpfer hat die Situation im Griff, ist mental und körperlich vorbereitet und hat so die Souveränität, die Dinge auch anders zu regeln – kein Sport für Schläger und Hitzköpfe.

Seit Jahren wächst die Mitgliederzahl stetig an, Bushido-Siegen, der größte Karateverein der Region hat nunmehr fast 200 Mitglieder. Der 1. Vorsitzende, Rolf Kringe, und sein Team sind allesamt „positiv Verrückte“ – leben für ihren Sport und den Verein. Die große Gruppe der 7 bis 14jährigen mit über 80 Jugendlichen erstaunt die Besuchergruppe der SPD-Kreistagsfraktion. Ottmar Haardt, der Vorsitzende des Kreissportbundes, fragt nach den Gründen für die hohe Attraktivität dieser Sportart – oder ist es das besondere Vereinsklima? In Zeiten stetig sinkender Jugendgruppen in fast allen Sportbereichen bewegt sich Bushido-Siegen völlig gegen den Trend. Die Eltern sind begeistert von Disziplin und Ordnung – auch in größeren Gruppen, das geht, wenn es die Trainer und Vereinsmitglieder konsequent durchziehen. Und Spaß macht es auch, die Kinder befriedigen ihren natürlichen Bewegungsdrang – powern sich aus, die Energie wird bewusst gesteuert, keine planlose, zerstörerische Aggression. Viele Kinder entdecken ihren Körper wieder, Beweglichkeit, Schweiß und Muskelkater als positives Gruppenerlebnis – das zieht.
SPD-Kreistagsmitglied Marco Schmidt fragt nach Verbindungen zu Schulen. Die übliche Form bringt da wenig, so Rolf Kringe. „Projekttage“ sind eher „Pseudoveranstaltungen“ fürs Schulprogramm, Kinder lockt man so nicht in den Verein. Der Verein denkt über die Ausweitung der Übungstage nach – da ist noch Luft in der Zeit von 14.00 bis 16.30 Uhr – aber: Das Training wird immer von zwei Übungsleitern geführt. Der Verein ist schlicht an seiner Grenze angelangt – mehr kann man den eigenen Leuten fast nicht mehr zumuten – man hat ja schließlich selber noch einen eigenen Beruf und Familie.
Thomas Hartmann erkundigt sich nach der Mitgliederstruktur des Vereins und fragt, ob es Probleme mit den unterschiedlichen Nationalitäten gibt.
Keine, antwortet Rolf Kringe, Disziplin, Fairness und Spaß am Sport sind universelle Dimensionen. Ca. 1/3 der Mitglieder haben einen Migrationshintergrund – der Sport fördert die Integration. Gleiche Bewegungsabläufe und gemeinsame Rituale fördern die Bildung einer homogenen Gruppe – Ausgrenzungen werden nicht toleriert.
Ottmar Haardt ist erstaunt über die Mischung der Übungsgruppe – Jung und Alt, Frauen und Männer – das geht? Und wie. Respekt und Rücksichtnahme im Training sind Grundprinzipien im Karate. Auch in der Gruppe ist die individuelle Förderung des Einzelnen möglich. Und in kaum einer anderen Sportart ist die positive Entwicklung der älteren Mitglieder so sichtbar wie im Karate. Ein Reifeprozess, der niemals endet – der Weg ist das Ziel.
Wer jetzt glaubt Bushido-Siegen sei doch auch nur so eine esoterische Heiti-Teiti-Gruppe – der irrt sich gewaltig. Im Dojo hängt die Fahne vom Shotokan-Cup 2015, im Fußball mit dem DFB-Pokal vergleichbar, und der 2. Vorsitzende und Trainer, Egor Prasolow, hat schon bei den Einzelwettkämpfen zur Deutschen Meisterschaft eine Bronzemedaille gewonnen. Und das größte sportliche Aushängeschild des Vereins kommt gerade aus dieser erfolgreichen Jugendarbeit: Aymen Ben-Romdhane, ist aktuelles Mitglied der Jugendnationalmannschaft und hat sich auch schon auf internationaler Bühne einen Namen gemacht.
Und man entwickelt sich weiter – das beweisen die vielen Schulungen und Seminare mit Bundestrainern wie auch internationalen Stars der Karateszene.
Für die Karateka der Region und darüber hinaus fand gerade erst vor einigen Wochen ein besonderes Ereignis statt: das Samurai Spirit Seminar. Karate-Legende Shihan Malcolm Dorfman (8.Dan), Chief Instructor der Karate World Foundation South Africa aus Johannesburg, unterrichtete gemeinsam mit dem Nationalcoach des Deutschen JKA-Karatebundes, Sensei Thomas Schulze (6.Dan) aus Bremen, sowie Sensei Lars Niehaus (5.Dan) aus Johannesburg Karateka sämtlicher Altersklassen und aller Schüler- und Meistergrade. Etwa 120 Karatekas aus dem gesamten Bundesgebiet und Polen folgten der Einladung des Karatevereins Bushido Siegen e.V., darunter auch namhafte Trainer, Wettkampfteilnehmer und Sensei anderer Dojos.