Auch Demenzleiden werden jetzt berücksichtigt

Im Bild: Heiko Becker, Willi Quast, Marianne Braukmann, Waltraud Schäfer, Michael Sittler Bild: Sandra Peiser
Im Bild: Heiko Becker, Willi Quast, Marianne Braukmann, Waltraud Schäfer, Michael Sittler Bild: Sandra Peiser

Die Diakonie-Einrichtungsleiter Willi Quast, Haus Höhwäldchen und Haus Obere Hengsbach und Marianne Braukmann, Fliedner-Heim, berichteten den Mitgliedern der SPD-Kreistagsfraktion kürzlich über die Auswirkungen des Pflegestärkungsgesetztes II in der Praxis. Nach wie vor gibt es einen großen Bedarf an Pflegeleistungen. Eine große Entlastung besteht darin, dass seit 2015 je zwanzig Bewohner eine Vollzeitkraft zusätzlich in der Betreuung beschäftigt werden kann.
Mit dem Pflegestärkungsgesetz II wurde der Pflegebegriff geändert. Nun stehen nicht nur die körperlichen Gebrechen im Vordergrund, auch die psychischen werden berücksichtigt. Dies sei wichtig, da rund 70 Prozent der Heimbewohner an Demenzleiden erkrankt seien. Die neuen Pflegegrade stellten darauf ab, was ein Mensch noch kann, wohingegen die alten Pflegestufen erfassten, was ein Mensch nicht mehr konnte. Die neuen Regelungen führen zzt. zu erhöhtem Aufklärungsbedarf bei den Angehörigen und auch zu Schulungen der Mitarbeiter, dies erfordere einen hohen Zusatzaufwand in den Einrichtungen, der neben dem Tagesgeschäft anfällt. Auch die Umstellung auf die Strukturierte Informationssammlung (SIS) beschrieben Quast und Braukmann als zeitaufwändig, diese solle aber künftig die Dokumentation der Pflege einfacher machen und zu weniger Bürokratie führen.
Mit dem durch das Pflegestärkungsgesetz II veränderten Pflegeschlüssel sei in den Heimen keine direkte Verbesserung spürbar. In zahlreichen Fällen lägen die Pflegekassenbescheide bzgl. der neuen Zuordnung der Pflegestufen in Pflegegrade noch nicht für alle Betroffenen vor, was zu finanziellen Unsicherheiten bei der Pflege führe.
Die Hemmnisse für den Einstieg in die Heimbetreuung beschreiben beide als sehr hoch, da die Kosten der Heimbetreuung in den unteren Pflegegraden sehr hoch seien.
Bei den Pflegegraden 2-5 seien die Zuzahlungen der Betroffenen nun gleich, ein erhöhter Pflegebedarf bedeute nun nicht mehr auch höhere Zuzahlungen. Diese Kosten der Heimunterbringung überstiegen oft die durchschnittliche Rente. Daher seien zumeist sehr alte und pflegebedürftige Menschen in den Heimen. Die daraus resultierende hohe Fluktuation sei für die Mitarbeiter sehr belastend.
Eine Verbesserung sei für die Pflege zu Hause erreicht worden.
Die Heime erhofften sich durch das Pflegestärkungsgesetz II vor allem den Abbau von Bürokratie und die Hinwendung zum Kunden.
Michael Sittler bedankte sich bei den Referenten für die sehr detaillierte und persönliche Schilderung der Pflege aus der Sicht der Praxis versprach sich in naher Zukunft zu erkundigen, ob der Bürokratieabbau funktioniert habe.